Dominika, Geschäftsführerin – Poznań

Wie ist die aktuelle Situation während der Coronakrise für dich persönlich?

Da ich in meinem Leben schon viele verschiedene Arten von Krisen persönlich und beruflich durchlebt habe, bin ich in der Lage, mich sehr schnell an eine neue Situation anzupassen. Als Geschäftsinhaberin und Leiterin einer mittelgroßen Organisation muss ich mich oft mit unvorhersehbaren und unangenehmen Situationen auseinandersetzen, wie es derzeit bei einer globalen Pandemie für alle Menschen der Fall ist. Ich würde nicht sagen, dass ich in jeder Situation glücklich bin, aber dank meiner emotionalen Stabilität und meines inneren Friedens ist es für mich wahrscheinlich leichter, Schwierigkeiten zu bewältigen. Als Wirtschaftswissenschaftlerin habe ich mich auf Krisenmanagement spezialisiert, so dass ich in den letzten Jahren natürlich die Fähigkeiten entwickelt habe, mit unvorhersehbaren Situationen umzugehen.

Allerdings ist in der aktuellen Situation die soziale Isolation für meine Kinder eine große Herausforderung, da der fehlende Kontakt zu Gleichaltrigen ihrem psychischen Wohlbefinden schadet. Meinen Kindern fehlen ihre Klassenkameraden sehr. Außerdem fühlen sich von der plötzlichen Online-Schule überfordert, die besonders für die Älteren anspruchsvoll ist. Auch für mich als alleinerziehende Mutter ist es manchmal nicht einfach, von zu Hause aus zu arbeiten, da sie meine Unterstützung bei ihren Online-Plattformen und Aufgaben brauchen und einfach mehr Präsenz von mir bedürfen.
Was meine Firma betrifft, so waren die ersten Wochen für uns alle sehr anstrengend, besonders für das Management-Team, weil wir unser Arbeitsmodell auf Online umstellen mussten und nicht jedes Teammitglied darauf vorbereitet war. Dennoch hören wir nicht mit unseren Projekten auf und versuchen, die Situation optimal zu nutzen.

Wofür bist du in dieser Situation dankbar?

Normalerweise bin ich jeden Tag für etwas dankbar, denn eine Haltung der Dankbarkeit hilft mir, durch Schwierigkeiten zu gelangen. Und derzeit in der Pandemie bin ich sehr dankbar dafür, dass ich mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen kann, dass ich sie jeden Tag beobachten kann, wie sie wachsen und sich verwandeln, und es macht mich sehr glücklich, dass wir gemeinsam durch schwierige Zeiten gegangen sind und sie sich zu sehr intelligenten und guten jungen Menschen entwickeln, worüber ich sehr stolz und glücklich bin. Sie sind immer meine Priorität im Leben.
Ich bin auch dankbar, dass es meinen Eltern gut geht und dass sie sicher zu Hause sind. Ich bin froh, dass ich gezwungen war, mit meinem Arbeitstempo etwas langsamer vorzugehen, damit ich meine Kräfte regenerieren kann, und von diesem Punkt aus über mein Leben in den letzten Jahren zu reflektieren, um zu sehen, wer ich in den schweren Zeiten nach der Scheidung, nach ernsthaften Gesundheitsproblemen, finanziellen Problemen, Krisen in der Unternehmensentwicklung und im Management und vielen anderen Schwierigkeiten, denen ich in den letzten 5 Jahren begegnet bin, geworden bin. Es ist eine gute Zeit, um zu evaluieren und einen Neuanfang in einer neuen Welt zu machen, in der wir alle zu leben beginnen.

Was möchtest du gern machen, wenn die Krise vorbei ist?

Ich möchte meine Kinder auf eine Reise nach Dubai mitnehmen, die wir vor der Pandemie geplant hatten, und ich werde mein Leben so weiterführen, wie es war, mit ein paar Änderungen. Auf jeden Fall werde ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen, vor allem mit meinen Kindern, und ich werde mich mehr ausruhen, da ich in diesen Tagen erkenne, dass mein Energielevel sehr schwach gewesen ist. Normalerweise würde ich es zu spät erkennen, wahrscheinlich, weil ich eine fleißige Person bin, die sich selber auf ihrer Prioritätenliste nicht nach oben setzt. Niemals auf Ziele verzichten zu müssen bedeutet in ständigem Stress und ständiger Bewegung zu leben.
Ich werde eher von zu Hause aus arbeiten, da mir diese Art von Arbeit Spaß macht. So habe ich mehr Zeit für meine Familie und Zeit, einfach nur nachzudenken, denn in meinem Büro fällt es mir schwer, mich auf konzeptionelle Ideen und Projekte zu konzentrieren. Diese Zeit gibt mir auch die Gelegenheit zu sehen, dass nicht alle Dinge mein Engagement brauchen, und ich kann von einigen Aktivitäten zurücktreten, die mich in Wirklichkeit von meinen Zielen ablenken.

Was wünscht du dir langfristig für Europa?

Da meine Firma sowohl auf dem Arbeitsmarkt als auch im Bildungsbereich tätig ist und viele Regierungsinstitutionen in Polen unterstützt, die sich mit der Entwicklung von Unternehmertum, beruflicher Aktivierung, Arbeitslosigkeit und der Unterstützung von Gruppen, die in der Gesellschaft diskriminiert werden, befassen, habe ich das tiefe Gefühl, dass wir mehr dieser Art von Aktivitäten brauchen, die die soziale Eingliederung, Gleichberechtigung, neue Bildungsformen und -methoden, die Entwicklung zu einer kollektiveren, aktiven Sozialpolitik, Unterstützungsprogramme für Existenzgründer und Unternehmensinnovatoren betreffen. Ich denke, wir brauchen jetzt mehr denn je kluge Führungspersönlichkeiten, die ganzheitlich an Europa als ein einheitliches System denken, und Menschen, die alle unterschiedlich, aber sehr verbunden sind. Führungspersönlichkeiten, die viel Einfühlungsvermögen, aber gleichzeitig ein hohes Maß an Verantwortung haben, die verstehen, dass sie sich ständig weiterentwickeln müssen, um ihre Organisationen besser führen und ihnen besser dienen zu können, um ein gesundes Arbeitsumfeld zu schaffen und um ihrer Kundschaft und der Gesellschaft einen Mehrwert zu bieten. Wir brauchen einander als Menschen und wir müssen gemeinsam als Gesellschaft wachsen, die verantwortungsbewusst ist und sich an das sich sehr schnell verändernde, unvorhersehbare wirtschaftliche und soziale Umfeld anpassen kann.