Bernard, Dozent – Perpignan

Wie ist die aktuelle Situation während der Coronakrise für dich persönlich?

Ich persönlich kann und möchte mich nicht über die Situation beschweren. Meine Arbeit als Dozent an der Universität von Perpignan läuft gerade online weiter und ich halte Vorlesungen über das Internet. Natürlich ist das Arbeiten zurzeit komplizierter, weil ich meine 7-jährige Tochter fast immer bei mir habe und ich tagsüber nur wenig Zeit finde, um zu arbeiten. Den Hauptteil meiner Arbeit erledige ich nachts. Ich fange gerade an, wirklich müde zu sein, aber ich bin insgesamt in einer günstigen Situation, denn mein Universitätsgehalt wird mir jeden Monat gezahlt, während viele andere Menschen wahrscheinlich finanzielle Schwierigkeiten haben.

Wofür bist du in dieser Situation dankbar?

Ich kann im Moment viel Zeit mit meiner Tochter verbringen, die ich normalerweise viel seltener sehe. Ich habe genug Platz in meiner Wohnung. Ich bin dankbar für alles, was ich habe. In Frankreich dürfen wir seit der Coronakrise nur eine Stunde am Tag ausgehen. Ich kann nicht anders, als an diejenigen in Frankreich oder anderswo zu denken, denen es nicht so gut geht wie mir: z.B. Menschen, die in wirklich kleinen Wohnungen hausen, Menschen, die alleine in ihrer Wohnung festsitzen oder Menschen, die in solchen Zeiten auch noch häusliche Gewalt erleben. Ich denke an ältere Menschen und an die Kinder, deren Eltern nicht bei den Hausaufgaben helfen können und für die es noch schwieriger wird, wenn die Schule wieder startet. Ich merke, wenn ich darüber nachdenke: Ich habe es sehr gut.

Was möchtest du gern machen, wenn die Krise vorbei ist?

Nichts Besonderes, ich glaube, ich werde so weitermachen wie vor der Krise und wie während der Krise, um dem Leben für das zu danken, was es mir bringt, und um es so gut wie möglich zu ehren und weiter zu genießen.

Was wünschst du dir langfristig für Europa?

Ich wünsche mir mehr Solidarität zwischen den Ländern der Europäischen Union, mehr Solidarität innerhalb der Länder und mehr Solidarität mit Migranten – eben Chancengleichheit für alle Menschen. Wir sollten mehr nach interkulturellem Austausch streben. Die Ökonomie sollte im Dienste der Ökologie und des Sozialen stehen und nicht im Dienste der finanziellen Bereicherung weniger Menschen.
Wir sehen gerade, dass Menschen durch die Einschränkung von Mobilität und Konsum eine geringere Belastung für den Planeten darstellen und so anderen Lebewesen mehr Raum geben. Die Politik sollte diese Entwicklung fördern und sich nicht zu stark von wirtschaftlichen Interessen leiten lassen.